
Jürgen Niessit
Die Nachricht, dass Jürgen Niessit, Gründer und Leiter
unserer Selbsthilfegruppe, am 11. Oktober im Alter
von fast 69 Jahren gestorben ist, hat uns alle sehr
traurig gemacht.
Uns allen, die wir Jürgen gekannt haben, war bewusst,
dass ihn seine Krankheit wie eine nach unten drehende
Spirale immer weiter einschränken würde.
Dennoch hat uns die Nachricht von seinem Tod unerwartet angetroffen und betroffen gemacht.
Jürgen war Begründer und Mittelpunkt unserer
Selbsthilfegruppe. - Als ihm 2003 seine unheilbare
Krankheit COPD bekannt wurde, gab er sich nicht auf,
sondern ging entschlossen gegen sie an, indem er begann,
intensiv Lungensport zu betreiben.
Dies wurde möglich, weil er mit dem VGS Leverkusen eine Lungensportgruppe gründete.
Aus dieser Sportgruppe entwickelte er mit einigen Gleichbetroffenen die erste Selbsthilfegruppe für Atemwegserkrankte im Raum Leverkusen und daraus
später unsere jetzige Selbsthilfegruppe ATMEN Leverkusen..
Ihm ist es zu verdanken, dass die Gruppe heute wertvolle
Arbeit für Menschen leistet, die, auf sich allein gestellt, den Lebensmut verlieren würden.
Seine Stimme hatte für uns immer Gewicht, wenn es darum
ging, unsere ATEMPAUSE zu entwerfen bzw. die Themen
unserer Versammlungen zu planen.
Er war es, der die Idee eines großen Leverkusener
COPD-Tages aufnahm, mit uns entwarf und wirtschaftlich ermöglichen half., Es war ihm wichtig, durch eine solche Veranstaltung möglichst viele Menschen über diese
Krankheit zu informieren und anzuleiten, damit positiv
umzugehen.
Jürgen formulierte dazu das Motto unserer Gruppe:
„Wir wollen uns nicht gegenseitig bemitleiden, sondern positiv aufeinander einwirken.“
Diese positive Grundhaltung hat er nicht nur propagiert,
sondern auch vorgelebt.
Ich erinnere hier daran, wie viel Vergnügen es ihm bereitete,
als er uns bei einer Führung durch die Gassen der Kölner
Altstadt deren Geschichte und Geschichtchen nahe bringen
und uns anschließend zu dem von ihm so sehr geschätzten
Kölsch in ein Brauhaus führen konnte.
Ich erinnere daran, wie viel Freude es ihm machte,
bei den adventlichen Versammlungen auf kölsch Gedichte
und Geschichten vorzutragen. Das wird nach ihm kein
anderer so können; schließlich war er ja u.a. auch
Absolvent der „Akademie för uns kölsche Sproch“.
Dies alles ist ihm nicht leicht gefallen, ja wurde ihm von
Mal zu Mal schwerer. - Wir alle mussten zusehen, wie viel
Mühe es ihm machte, an Veranstaltungen teilzunehmen
bzw. seine Versammlungen zu leiten, wie die Luft immer
knapper wurde, die Stimme immer schwächer.
Wir sehen ihn vor uns, wie er schon nach kurzen Wegen
lange Minuten brauchte, um wieder zu Atem zu kommen,
ja überhaupt sprechen zu können.
Nun ist seine Stimme für immer verstummt, es tritt eine
Stille ein, die schmerzt.
Wir denken an Jürgen mit großer Achtung und liebevollen Erinnerungen.
“Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude.“ ( Dietrich Bonhöffer)
Wir wollen ihm unsere Dankbarkeit beweisen, indem wir mit unserer Gruppe die von ihm begonnene Arbeit fortführen.
Siegfried Ibsch